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Management im GesundheitswesenBusse R (2005): Bedeutung von Health Technology Assessment bei Bewertungs- und Erstattungsentscheidungen in Deutschland heute und morgen. Gesundheitsökonomie & Qualitäts­management 10(S2): S52-S58

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Bedeutung von Health Technology Assessment bei Bewertungs- und Erstattungsentscheidungen in Deutschland heute und morgen

Autor
Busse R
Verlag
Gesundheitsökonomie & Qualitäts­management 10(S2): S.52-S.58

 

 

Zusammenfassung

Health Technology Assessment (HTA) wurde in Deutschland 1995 entdeckt, als das Bundesministerium für Gesundheit eine internationale Bestandsaufnahme zu diesem Thema in Auftrag gab. 2000 wurde die Deutsche Agentur für Health Technology Assessment (DAHTA) gegründet mit dem gesetzlichen Auftrag, ein Informationssystem im Bereich HTA zu entwickeln. Seit 2004 existiert das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit ähnlichem Auftrag. Zwischen 1991 und 2003 hat der Bundesausschuss für Ärzte und Krankenkassen (BÄK) etwa 50 Entscheidungen zu Leistungen im ambulanten Sektor getroffen. Vor 1997 hatte das HTA nur einen geringen Einfluss auf solche Entscheidungen, danach stieg der Einfluss an. Arzneimittel wurden in Deutschland bisher weitgehend vom HTA ausgespart, da es kein Verfahren zur Erstattungsfähigkeit gibt. In den Ausschüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dem Nachfolgegremium des BÄK, werden drei verschiedene Vorgehensweisen angewendet, um Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zu evaluieren: die BUB-Richtlinie von 1997, die zahnmedizinische NUB-Richtlinie von 1999 und die „Richtlinie nach § 137c” für den stationären Bereich. Als Evidenz werden Studien herangezogen, deren Validität nach den Evidenzstufen der evidenzbasierten Medizin beurteilt wird. Bei den 50 Entscheidungen zum Leistungskatalog im ambulanten Sektor zwischen 1991 und 2001 wurde der Kostennutzen nur in zwei Fällen explizit mit abgehandelt. Für die zukünftige Entwicklung des HTA in Deutschland sind mehr Rigidität, Flexibilität und innovatives Verhalten zu fordern. Die Einsicht in die Notwendigkeit der Evaluation muss bei den Entscheidungsträgern gefestigt werden, denn immer noch gelangen viele Leistungen unevaluiert in den Leistungskatalog (z. B. über EBM 2000plus, OPS-Katalog, Weiterbildungsordnung). Die Evaluationsrichtlinien müssen vereinheitlicht und danach strenger angewendet werden. Mehr Flexibilität ist bei der Beurteilung der Evidenz geboten: Die alte Pyramide der Evidenzstufen wird derzeit durch neue Instrumente flankiert und teilweise ersetzt, in denen neben dem Studiendesign u. a. auch die Qualität der Studiendurchführung berücksichtigt wird. Mehr Flexibilität ist auch bei den Entscheidungen selbst erforderlich: Neben reinen Ja-/Nein-Entscheidungen zum Leistungskatalog sollten in Zukunft Zwischenstufen möglich sein. In einem umfassenden, innovativen Konzept des HTA sind nicht nur Sicherheit und Wirksamkeit, sondern auch soziale, ethische, organisatorische und ökonomische Implikationen neuer Health Technologies zu beachten.

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