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TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Ärztliche Einstellungen gegenüber Leitlinien. Eine empirische Untersuchung in neurologischen Kliniken

Autor
Hasenbein U, Schulze A, Busse R, Wallesch CW
Verlag
Gesundheitswesen 67(5): 332-341

 

 

Zusammenfassung

Hintergrund: Zunehmend werden Leitlinien im Versorgungsalltag bedeutsam. Dabei dürften die tatsächliche Wahrnehmung und Nutzung von Leitlinien durch Ärzte nicht allein auf deren Einstellungen gegenüber Leitlinien, sondern auf zahlreiche weitere Einflussgrößen zurückzuführen sein.

Ziel: Es sollte ermittelt werden, wie Krankenhausärzte gegenwärtig gegenüber Leitlinien eingestellt sind und welche Merkmale des Arztes und der Klinik diese Einstellungen beeinflussen.

Methode: In einer multizentrischen Querschnittserhebung wurden mit mündlichem und schriftlichem Interview 99 Assistenz- und Oberärzte aus 30 neurologischen Kliniken (regionale Stichprobe) befragt.

Ergebnisse: Leitlinien werden mehrheitlich als Instrument zur Qualitätsverbesserung und Weiterbildung angesehen. Allerdings lässt sich aus dem Antwortverhalten nicht nur auf eine positive und negative Einstellung schließen, sondern die Befragten differenzieren weiterhin zwischen individueller und Gesundheitssystemebene. Diese Einstellungsmuster sind nicht von Merkmalen der Klinik (Klinikgröße, Existenz von Leitlinien, Verfügbarkeit von Informationsquellen) abhängig und variieren auch nicht signifikant zwischen den einzelnen Kliniken. Vielmehr spielen Persönlichkeitsmerkmale die entscheidende Rolle insbesondere dafür, ob Leitlinien auf individueller Ebene als nützlich angesehen werden. Oberärzte, wenig teamorientierte Ärzte, junge Ärzte und prestigeorientiert-motivierte Ärzte zeigen hier positive Einstellungen. Hingegen ist eine skeptisch-ablehnende Einstellung bei Befragten mit hoher Teamorientierung und hohem wissenschaftlichen Interesse festzustellen.

Schlussfolgerungen: Die überwiegend positive Einstellung der Befragten ist vermutlich auf die Identifizierung der Leitlinienadressaten mit den -autoren sowie die Unverbindlichkeit bestehender Leitlinien zurückzuführen. Auch die Unabhängigkeit der Einstellungen von Klinikmerkmalen, insbesondere der klinikinternen Existenz von Leitlinien, könnte entweder auf gleichartige Leitliniennutzung oder - wahrscheinlicher - auf geringen Einfluss von Leitlinien als Steuerungsinstrument bzw. häufig genutztes Hilfsmittel hindeuten. Auch das Potenzial von Leitlinien als Qualifizierungsinstrument ist scheint bei weitem noch nicht ausgeschöpft zu sein.

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