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TU Berlin

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IGeL kritisch betrachtet: Testosteronspiegelbestimmung bei gesunden Männern in der "Anti-Aging-Medizin"

Autoren
Velasco Garrido M, Saal K, Beyer M, Erler A
Journal
Z Allg Med 85; (8): 335-339
 
 

 

 

Zusammenfassung

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Cover Zeitschrif Allgemein Medizin
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Hintergrund: Ein langsamer Abfall zirkulierender Hormonen, wie DHEA oder Testosteron ab dem 30. Lebensjahr ist belegt und scheint Teil des normalen Alterungsprozesses zu sein. Im Rahmen vom so genannten „Anti-Aging-Checks“ wird angeboten, der Testosteronspiegel beim ansonsten gesunden Männern zu messen um entsprechend präventive Maßnahmen (u.a. eine Testosterongabe) einzuleiten. Es stellt sich die Frage, ob die Bestimmung des Hormonspiegels bei gesunden Männern einen gesundheitlichen Nutzen hat. Dabei ist auch von zentraler Relevanz die Frage, ob eine Testosterongabe bei gesunden Männern gerechtfertigt werden kann.
Methode: Es wurde eine umfassende Literaturrecherche durchgeführt, mit dem Ziel für die Fragestellung relevante systematische Übersichten und aktuelle randomisierte kontrollierte Studien zu identifizieren.
Ergebnisse: Es liegen keine Studien vor, die den Nutzen einer Hormonspiegelbestimmung mit dem Ziel altersbedingten niedrigen Testosteronspiegel bei gesunden Männern zu erkennen, untersucht haben. Es sind verschiedene positive Effekte (Abnahme des Körperfettanteils, Zunahme der Muskelmasse, Verbesserung der sexuellen Funktion) einer Behandlung gesunden alternden Männern mit Testosteron beschrieben worden, deren klinischen Relevanz jedoch fragwürdig ist. Klinisch- und Patienten-relevante Outcomes sind jedoch nicht ausreichend untersucht worden. Darüber hinaus sind die langfristige Effekte der Testosterongabe nicht ausreichend untersucht worden.
Schlussfolgerung: Eine Testosteronspiegelbestimmung bei gesunden Männern ist nicht sinnvoll.

Als IGeL – Individuelle Gesundheitsleistungen – werden inzwischen vielfältige diagnostische und therapeutische oder präventive Leistungen angeboten, die von den Gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen werden und daher von der Patientin/vom Patienten selbst zu finanzieren sind.
Viele dieser Angebote scheinen auf den ersten Blick einen Nutzen zu versprechen, auch wenn es sich bei einer diagnostischen Leistung nur um einen Erkenntnisgewinn über ein mögliches Gesundheitsrisiko ohne therapeutische Konsequenzen handelt. In der allgemeinmedizinischen Praxis spielen IGeL eine zunehmende Rolle, entweder weil überlegt wird, eine solche Leistung in der eigenen Praxis anzubieten, oder – häufiger – weil Patienten wegen der von einem Fachspezialisten angebotenen Leistung den Hausarzt um Rat fragen. In evidenzbasierten Kurzbewertungen analysieren wir typische derartige Leistungen. Es handelt sich dabei nicht um systematische Reviews zu einer klinischen Fragestellung (die meisten dieser Leistungen sind, wenn sie klinisch indiziert sind, nämlich sehr wohl Kassenleistungen), sondern um Bewertungen von Angeboten, die sich an gesundheitsbewusste Patienten richten. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob ein Nutzen für diese auch tatsächlich zu erwarten ist. Wir beurteilen ausdrücklich nicht die Frage, ob solche Leistungen ethisch oder gesundheitsökonomisch vertretbar sind. Die Bewertungen sind ursprünglich im Auftrag und mit Finanzierung durch den AOK-Bundesverband entstanden, der jedoch keinen Einfluss auf den Inhalt der Recherche und die Bewertung genommen hat. Für die Veröffentlichung in der ZFA sind die Beiträge überarbeitet und gekürzt worden. Die Volltexte sind unter http://www.allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de/IGeL.html erhältlich.

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